Stolperstein | Therese Alt

23. Mai 1889 Neustuttgart/Südrussland – 10. März 1941 Hadamar
Saalstraße 13
70825 Korntal-Münchingen
Stadtteil: Korntal

Therese Alt entstammt einer Korntaler Gründerfamilie. Ihr Urgroßvater Jakob Alt, Weber aus Oberlenningen, war einer der Erstsiedler Korntals. Unter der Nummer 64 ist er im Gründungsprivileg der Brüdergemeinde aufgeführt. Religiös motiviert, wie der Zuzug nach Korntal, war auch die Auswanderung nach Süd-Russland, die Therese Alts Vater, der 1838 in Korntal geborene Taglöhner Karl Christian Alt, zu einem unbekannten Zeitpunkt unternommen haben muss.  In Neu-Stuttgart bei Berdjansk heiratete er 1881 Maria Adelheid Hille aus Charkow.  Die Tochter Therese Alt kam 1889 in Neu-Stuttgart zur Welt. 1896/97 kehrte die Familie wieder zurück nach Korntal, wo der Vater am 26.8.1914 starb. Kurz nach dem Tod ihres Vater erkrankte die 26jährige als Dienstmagd tätige Therese: halluzinatorische Demenz und Schizophrenie lautete die Diagnose.  Von der Landarmenanstalt Markgröningen, in der sie Ende 1916 Aufnahme fand, wurde sie 1917 in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Dort blieb sie zehn Jahre lang. Als krankheitsauslösende psychische Einflüsse vermerkten die behandelnden Ärzte „unglückliche Liebe“.  In ihrer in Weissenau verfassten Krankengeschichte heißt es: „Über Jugend- und Entwicklungszeit der Kranken ist nichts bekannt. Vor einigen Jahren war sie angeblich bei einer Missionarsfamilie in Tunis im Dienst. Dort verliebte sie sich, ohne dass ihre Liebe anscheinend erwidert wurde, und wurde deshalb geistig gestört, musste schnell in die Heimat befördert werden“. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um die Familie des Pfarrers Flad.

1937 gelangte sie in das Schwachsinnigenheim Schwäbisch Hall, von wo aus sie 1940 nach Weinsberg transportiert wurde. Am 20. November erfolgte die dortige Aufnahme. Vier Monate später, am 10.3.1941, wurde sie „ungeheilt nach unbekannt verlegt“, d.h. sie wurde in Hadamar in den Gastod geschickt.

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