Ein nichtgeladener Gast im Münchinger Ortskern

Der Waschbär ist schon seit Jahrzehnten als sogenannter Kulturfolger in vielen Regionen Deutschlands bekannt und bevölkert dort auch die Städte, wo er sich vorzüglich von Speiseresten insbesondere aus Mülltonnen ernährt. Nun erreichte die Umweltschutzstelle erstmals die Nachricht, dass der Neubürger in der Nacht von Sonntag auf Montag auch in einem Münchinger Garten zu Gast war.

Dieser in ganz Mitteleuropa eingebürgerte Kleinbär namens Procyon loto stammt ursprünglich aus Nord- bis Mittelamerika. Er sei zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Pelztierzüchter eingeschleppt worden und hat sich dank seiner Intelligenz und Anpassungsfähigkeit in Deutschland weit verbreitet, nicht zuletzt auch weil er bis 1954 unter Schutz stand. Heute gilt der Waschbär als sogenannte invasive Art und Gefahr für das heimische Ökosystem. Er wird zur Gefahr für Vögel, Eigelege und er konkurriert beispielsweise um Brutplätze auf Bäumen für unsere Großvögel. Seit 2016 steht dieser Neozoen auch auf der Liste über invasive gebietsfremde Arten nach der EU-Verordnung (Nr. 1143/2014). Gelistet sind aktuell 66 Tier- und Pflanzenarten wie Götterbaum, Riesenbärenklau, Drüsiges Springkraut, Nutria, Bisam, Nilgans, Marmorkrebs und viele weitere, bislang noch recht unbekannte oder unscheinbare Vertreter.

Weil das nachtaktive, eigentlich possierliche Tier in Gärten und Dachböden, Heuschobern usw., teilweise nicht unerhebliche Schäden anrichtet, ist er im Siedlungsgebiet keineswegs ein gerngesehener.

Nach dem Jagdgesetz handelt es sich zwischenzeitlich um eine sogenannte bejagbare Art, für die die Kreisjagdbehörde beim Landratsamt Ludwigsburg zuständig ist. Dort kann der Grundstückseigentümer für die Jagdzeit vom 1. August bis zum 28. Februar einen Antrag für die Bejagung mittels Lebendfallen stellen. Auch sogenannte Sachkundige werden vom zuständigen Landratsamat dafür vermittelt. Telefonisch erreichbar ist Michael Zerrweck unter 07141-144-42349 oder michael.zerrweck@landkreis-ludwigsburg.de.

Jagen ist nur mit Jagdschein zulässig und nicht innerhalb des sogenannten befriedeten Bereiches, also innerhalb der Stadt. Dort sind eben nur Lebendfallen zulässig und auch nur durch sachkundige Personen.

Es handelt sich um ein Wildtier das nicht verletzt und zur eigenen Sicherheit auch nicht angefasst oder gar angefüttert werden darf!

Ansonsten muss sich der Hauseigentümer mittels sogenannter Vergrämungsmaßnahmen den Waschbären von seinem Grundstück vor allem vom Dachboden oder Schuppen versuchen fern zu halten. Die meisten Hausmittel sind auch zum Vertreiben des Marders auf Dachböden bekannt und müssen für den Einzelfall passen.

Achtung: Waschbärkot kann wie bei allen Allesfressern Parasiten enthalten. Daher beim Entfernen stets Schutzhandschuhe und Maske tragen.

Empfohlene Hausmittel zur Vergrämung und Verhaltensregeln:

  • Zugang in Schuppen oder Dachböden verschließen
  • Zugang über Dach- und Regenrinne oder den Schornstein in das Haus verhindern indem beispielsweise überhängende Baumäste zurückgeschnitten werden
  • Regenrinnen mit Aufstiegsverhinderer  (Abwehrgürtel) ausrüsten
  • Ultraschallgeräte installieren
  • Abwehrdüfte - von käuflich erwerblichen und für den Aussenbereich zugelassene Repellente oder Hundehaare etc.
  • Keine Speisereste im Garten lagern und Mülltonnen gut verschließen
  • Müllsäcke bis zur Abholung im Haus zwischenlagern.

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