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Korntal-Münchingen vergibt ein Ehrenamt für mehr Inklusion

Die Suche nach dem oder der Inklusionsbeauftragten hat begonnen. Ziel ist es, die Belange von Menschen mit Behinderung oder Einschränkung jeglicher Art zu vertreten. Dieses Ehrenamt muss durch einen Bürger bzw. eine Bürgerin der Stadt besetzt werden. Angesprochen fühlen, darf sich jeder, der Lust hat, etwas zu bewirken und bei allen relevanten Planungen der Stadt sich lösungsorientiert im Sinne der Inklusion beteiligen möchte.

Ehrenamt als unabhängige und selbstständige Tätigkeit

Korntal-Münchingen will eine Stadt für alle sein. Inklusion und Barrierefreiheit sollen ein Gesicht erhalten und noch proaktiver angegangen werden. Dafür machte sich der Gemeinderat am 2. Februar 2021 stark: „Der Gemeinderat hat der Bestellung eines ehrenamtlichen Inklusionsbeauftragten für Korntal-Münchingen zugestimmt – in großer Einmütigkeit übrigens, also ohne Gegenstimme“, berichtet Marcus Koestler, der bei der Stadtverwaltung für den Sozialen Dienst zuständig ist. „Ich meine, man konnte dem Gremium auch ‚abspüren‘, dass man nicht nur die Relevanz und Sinnhaftigkeit dieser Einrichtung teilt, sondern auch die Perspektive der Verwaltung, sich auf den Weg zu einer Inklusiven Stadt zu machen.“

Und auch Bürgermeister Dr. Joachim Wolf findet den Beschluss wichtig: „Inklusion ist ein weites Feld und wir freuen uns, mit dem Ehrenamt das Aufgabengebiet noch systematischer in unsere Abläufe und Planungen einzubeziehen, um damit frühzeitig Lösungen zu entwickeln“. Der oder die Inklusionsbeauftragte agiert als Ansprechpartner für den entsprechenden Personenkreis und sollte bei Verwaltung und Bürgerschaft Bewusstsein für die Themen schaffen.

Zwar wird der oder die Inklusionsbeauftragte von der Stadt engagiert, jedoch ist die Tätigkeit unabhängig und selbständig zu sehen. „Lokale Netzwerke sollten gebildet werden, in denen Bürgerinnen und Bürger, gemeinnützige Organisationen, Interessengruppen, Multiplikatoren, Verwaltung, örtliche Unternehmer und vor allem auch Menschen mit Behinderung vertreten sind. Mit allen Betroffenen, im weitesten Sinne, sollte die inklusive Kommunalentwicklung angepackt werden“, wünscht sich Koestler.

Auf dem Weg zur Inklusiven Stadt

Bei der Frage, was eine Inklusive Stadt ausmacht, plädiert Koestler für Offenheit: „Mir schwebt dabei eine Perspektive vor, die alle Menschen der Stadtgesellschaft in den Blick nimmt, also nicht nur Menschen mit Behinderung im engeren Sinne, sondern genauso Senioren, Familien, Menschen aus anderen Kulturen, die von erleichterten Zugängen und Beteiligungschancen profitieren können. Das ist natürlich ein Prozess, wo immer wieder das Gemeinsame, das Machbare, Kompromisse zu verhandeln sind – eine Dauerbaustelle, wie das Leben halt.“

Barrierefreiheit ist in Korntal-Münchingen jedoch kein unbeschriebenes Blatt. Vereine, Interessenvertretungen und die Stadtverwaltung engagieren sich in diesem Feld bereits seit Jahrzehnten. Marcus Koestler weiß aus seinem Arbeitsalltag von der Vielschichtigkeit der Sache: „Alltagsbarrieren sind ein weites Feld mit vielen Baustellen – um im Bild zu bleiben. Stichwort: Schwierige Sprache, hohe Bordsteine, Betreuungs- und Bildungswesen, Toiletten für alle. Da mag ich nicht unbedingt ein konkretes Projekt herausgreifen - und damit dem Prozess irgendwie vorgreifen.“

Inklusion in den Köpfen und damit im Stadtbild verankern

Der Inklusionsgedanke durchdringt alle Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur und Freizeit, Gesundheit, Mobilität etc. und ist als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen. „Wenn es aber auf alle ankommt, müssen auch möglichst alle mitgenommen werden. Ich wünsche mir, dass wir im ganz alltäglichen Denken, Sprechen und Handeln die Auswirkungen auf uns alle immer mitdenken. Das sollte uns sprichwörtlich in Fleisch und Blut übergehen“, findet Koestler.
Nun hat sich Korntal-Münchingen auf den Weg gemacht, Inklusion noch energischer anzupacken. Der Erfolg hängt für Marcus Koestler vor allem von einem ab – dem langem Atem. „Langfristigkeit ist dabei ein gutes Stichwort. Die Metapher vom Langstreckenlauf wurde im Zusammenhang mit der Corona-Krise zwar arg strapaziert, beim Inklusionsauftrag ist sie aber sehr angemessen.“ (ah)

 

Die Stellenbeschreibung für das Ehrenamt zum Inklusionsbeauftragten finden Sie hier. (280 KB)

Hintergrund zum Inklusionsgedanken

Seit 2009 verpflichtet sich Deutschland nach der UN-Behindertenrechtskonvention „die volle Verwirklichung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderung zu gewährleisten und zu fördern“ – es wird also auch Zeit für konkrete Initiativen in den Kommunen.