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Dr. Joachim Wolf im Interview anlässlich der Flutkatastrophe

„Ich werde die Eindrücke nie vergessen, von den massiven Schäden, die der Starkregen im Jahr 2009 bei uns hinterlassen hat."

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf spricht über seine Erinnerungen an die Überflutungen in Korntal-Münchingen im Jahr 2009 und über die Schutzmaßnahmen, die Korntal-Münchingen inzwischen getroffen hat.

In 2009 kam es in nur wenigen Stunden in Korntal und Münchingen zu Überflutungen.

Herr Dr. Wolf, viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stehen aktuell vor riesigen Herausforderungen, die durch die Hochwasserkatastrophe ausgelöst wurden. Auch wenn die Starkregenereignisse in Korntal-Münchingen in 2009 nicht dieselben Ausmaße erreichten wie in den Katastrophengebieten, können Sie mit Ihren Amtskolleginnen und –kollegen mitfühlen?

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf: Was die Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger jüngst erleben mussten – mit apokalyptisch anmutenden Szenarien, Todesfällen, Vermissten und einfach weggespülten Straßen, Häusern und Autos –, das kann ich vermutlich nur im Ansatz nachfühlen. Ich wünsche allen viel Kraft, dies gut zu meistern und dass die Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft auch noch viele Wochen möglichst kraftvoll andauert. Denn es ist für die betroffenen Kommunen zweifellos ein immenser Kraftakt, die zerstörte Infrastruktur Zug um Zug wieder herzustellen. Persönlich werde ich natürlich nie die teils dramatischen Eindrücke vergessen, die die massiven Schäden durch Starkregen bei uns allen hinterlassen haben. Ich erinnere mich hierbei aber auch an viel Solidarität, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt – auch als wir unseren Feuerwehrkameraden verloren, der tragischerweise im Einsatz ums Leben kam.

Eine der Maßnahmen zum Schutz vor Wassermassen ist etwa das Retentionsbecken im Wald bei Kallenberg.

Was ist passiert seit dem Sommer 2009, in welchem auch in Korntal-Münchingen ganze Straßenzüge und Keller aufgrund starken Regens geflutet waren?

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf: Wir haben uns zusammen mit den insbesondere in 2010 vom Hochwasser der Glems betroffenen Kommunen zusammengeschlossen. Das Interkommunale Starkregenrisikomanagement unter dem Projektnamen „Glemsregion“ wird vom Land gefördert und ist ein Modellprojekt, um Gefahren und Risiken zu analysieren und darauf aufbauend kommunale Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen. Als eine der Ersten haben wir Starkregengefahrenkarten in Baden-Württemberg entwickelt, die zeigen, welche Wege das Wasser bei Starkregen nimmt. Einiges der Handlungspläne haben wir bereits realisiert. In allen Stadtteilen sind Maßnahmen, auch zur Retention, umgesetzt worden, zudem wurden Handlungshilfen und Informationen für Bauherren zusammengestellt. Eine große interkommunale Übung mit Beteiligung der Feuerwehren und kommunalen Krisenstäben zum Test unseres Risikomanagements und unserer Vorwarnsysteme musste coronabedingt verschoben werden und steht noch an.

Unter dem Spielplatz am Feuerseeweg sind Rigolen zum Auffangen von Wasser eingebaut.

Wenn die Stadtplaner neue Projekte angehen und zum Beispiel Baugebiete entwickeln wie Korntal-West, inwiefern wird hier schon präventiv an Hochwasser und Starkregen gedacht?

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf: Das Thema wird in den Planungen von Anfang mitgedacht. So haben wir in Korntal-West eine große Fläche, die als Auffangbecken dient, eingeplant. Dort befindet sich auch das Biotop neben den Gleisen. Durch die Hanglage ist hier im Falle von Starkregen mit größeren Wassermassen zu rechnen. Deshalb ist in Korntal-West eine Grünfläche in Kaskadenform angelegt, so dass auch hier das Wasser nicht einfach über versiegelten Boden schießt. Auch bei der anstehenden Umgestaltung der Stuttgarter Straße ist das Thema Starkregen mit eingeflossen. Bei allen Planungen muss man sich jedoch bewusst sein, dass man nicht jede Naturkatastrophe zu 100 Prozent bändigen kann.

Was raten Sie den Bürgerinnen und Bürgern in Puncto Vorsorge und Schutz der eigenen Immobilie?

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf: Ich rate dringend dazu, unser Förderprogramm „Klimaschutz und Klimawandelanpassung“ (Hochwasserpass) in Anspruch zu nehmen und die eigene Immobilie auf Schwachstellen prüfen zu lassen. Bei der einmaligen Beratung wird untersucht, wo Wasser eindringen könnte und welchen Schaden es verursachen könnte. Manch einem ist es noch nicht hinreichend bewusst, dass sie als Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer auch in Eigenverantwortung für ihre Immobilie handeln sollten.