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„Kultur wird in Korntal-Münchingen herbeigesehnt wie ein Lebensmittel."

Ein Interview mit Kulturreferentin Melanie Thamm-Beck

(et) Als am 17. März 2020 der Vorhang in der Stadthalle Korntal-Münchingen wegen des Corona-Lockdowns fiel, war die Spielsaison erstmal beendet. Seitdem ging für Melanie Thamm-Beck, die Kulturreferentin der Stadt Korntal-Münchingen, der Kampf um passende Hygienekonzepte los, um im Rahmen der Schutzverordnungen doch noch städtische Veranstaltungen zu realisieren. Im Interview erzählt Melanie Thamm-Beck, welchen Herausforderungen sich das Team der Stadthalle durch die erneute Schließung im November täglich stellt und warum die Unterstützung des Publikums gerade jetzt besonders wichtig ist.

Kulturreferentin der Stadt Korntal-Münchingen, Melanie Thamm-Beck, mit Kollegen Sisyphos

Haben Sie eine ähnliche Situation für die Stadthalle schon einmal erlebt?
Melanie Thamm-Beck: Nein. Die Stadt Korntal-Münchingen bietet in der Stadthalle Korntal und im Widdumhof Münchingen ein eigenständiges Kulturprogramm an, das in der Region große Beachtung findet. In der Saison finden durchschnittlich 23 Veranstaltungen statt. Wir haben einen großen treuen Kundenstamm und circa 370 Abonnenten. Ich bin seit 23 Jahren Kulturreferentin – über 500 Veranstaltungen haben wir seitdem durchgeführt – nur drei mussten wir vor der Pandemie wegen Krankheit der Künstler absagen. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Wie sieht ihr Alltag während des Lockdowns aus?
Melanie Thamm-Beck: Vor dem Haupteingang der Stadthalle steht eine Skulptur, die Sisyphos genannt wird in Anlehnung an eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der arme Sisyphos rollt - der Sage nach – wieder und wieder eine Kugel den Berg hinauf, die gleich wieder hinunterrollt. Genauso fühlen wir uns im Arbeitsalltag währen der Pandemie: Wir planen und überlegen jeden Tag auf's Neue – dann kommt eine andere Corona-Verordnung – und unsere Kugel rollt wieder hinunter. Ein Ende ist noch nicht absehbar.

Was für Veranstaltungen konnten denn nach der Sommerpause schon wieder stattfinden?
Melanie Thamm-Beck: Durch die Umsetzung der Hygienekonzepte wurden schon regelmäßig Tagungen, Seminare und Sitzungen wieder in der Stadthalle durchgeführt. Die Kulturveranstaltungen sollten im Herbst wieder starten: Das erste Konzert fand mit erstaunlichem Zuspruch statt: Beim Korntaler Meisterkonzert am 24. Oktober kamen über 160 Zuschauer. Mit viel Verständnis akzeptierten die BesucherInnen, dass sie auch beim Zuhören eine Maske tragen mussten. Die Leute waren einfach nur dankbar und glücklich, dass sie endlich wieder die Kultur genießen konnten.

Wie aufwändig ist das Aufstellen von Hygienekonzepten?
Melanie Thamm-Beck: Das ist für unser ganzes Team nicht einfach – unser Arbeitspensum ist groß, auch wenn die Veranstaltungen nicht stattfinden. Denn die Corona-Bestimmungen sind nicht deutlich erklärt: Wie wird der Mindestabstand gemessen? Von Nase zu Nase oder von Schulter zu Schulter? Noch dazu dürfen nur zwei Haushalte nebeneinander sitzen. Häufig rufen wir unsere Abonnenten persönlich an, um zu klären, wie eng der Kontakt zum Sitznachbar sein darf. Handelt es sich um eine Freundin oder jemand Fremden? Dürfen wir sie auseinandersetzen?

Wie reagierten die Abonnenten auf die coronabedingten Absagen?
Melanie Thamm-Beck: Unser Glück ist, dass unsere Abonnenten großes Verständnis aufbringen für die schwierige Lage ihrer Stadthalle. Der größte Teil von ihnen zeigt sich loyal und hat den Beitrag für das Abonnement gespendet. Für uns ist das ein Zeichen, dass ihnen die Kultur in Korntal-Münchingen wichtig ist.

Wie wichtig ist die Weihnachtssaison für die Stadthalle?
Melanie Thamm-Beck: Die Wintermonate sind die wichtigsten Monate, in denen sich die Menschen gerne ablenken lassen. Dass der Lockdown auch diese Zeit beeinträchtigt, ist verständlich, aber schade: Unsere Hygienekonzepte sind gut durchdacht. Das Theaterpublikum ist bereit, die Gefahren zu minimieren, indem es sich an die Regeln hält. Trotz allem müssen wir die Tür geschlossen halten. Aber es geht ja nicht nur um die Stadthalle: Mit jeder abgesagten Veranstaltung wird die Frustration und die Verzweiflung bei den Künstlern größer. Auch im Vermietungsbereich fehlen uns die vielen Weihnachtsfeiern, die das Restaurant Momentum im Haus so dringend zum Überleben braucht.
 
Was ist Ihr Wunsch an das Publikum der Stadthalle?
Melanie Thamm-Beck: Bleiben Sie uns treu. Gedulden Sie sich noch ein wenig und seien Sie nachsichtig. Wir haben so viel im Angebot an Programmpunkten: Das Warten lohnt sich.

(Erstellt am 27. November 2020)