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Flüchtlingsunterkunft Kallenberg: Nachhaltige Geschenke für ein nachhaltiges Projekt

Wildbienenhäuser und Obstbäume

Holzbauweise ist nicht nur Trend, sondern punktet auch in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ein Beispiel für ein modernes Holzbauprojekt ist nun im Stadtteil Kallenberg in der Schwieberdinger Straße 63 erstellt worden. Am 15. April 2021 weihten die Brinvestor GmbH und die Stadtverwaltung das Gebäudeensemble ein, das Wohneinheiten für etwa 90 Personen bereitstellt.

Sogar die Geschenke zur Fertigstellung passen perfekt in das Konzept der Nachhaltigkeit. So überbrachte die Freie Evangelische Schule zwei Wildbienenhäuser – natürlich in Holzbauweise. Unterstützt wurde das Projekt „Insektenhotel" von der Brinvestor GmbH, die bei der Einweihung einen Scheck an die Freie Evangelische Schule (FES) überreichte. Vertreter der FES und der Stadtverwaltung pflanzten am Tag der Einweihung einen Obstbaum als symbolischen Akt.
„Der Gemeinderat hatte in 2019 beschlossen, dass das Gebäudeensemble von der Stadtverwaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen angemietet werden soll. Im August 2020 legten die Bagger los und bereits nur wenige Monate später stehen wir hier und können die rundum gelungenen Unterkünfte einweihen“, freute sich Dr. Joachim Wolf.
 
Gute Ökobilanz durch Holzmodulbauweise
„In nur fünf Tagen war das gesamte Gebäude errichtet“, weiß Christian Benzing, Geschäftsführer der Brinvestor GmbH zu berichten. Denn das Gebäude wurde im „Baukastensystem“ gebaut, bei dem die Module komplett fertig inklusive der Technik angeliefert werden. Begeistert ist Benzing von dem „nachhaltigen und bei uns einzigartigem Bauprojekt, da es die verschiedenen Möglichkeiten der heutigen Technologien aufzeigt“. Die ökologischen Vorteile des massiven Holzbaus, der außenliegenden Holzfaserdämmung und der sichtbaren Holzverschalung liegen in der Energieeffizienz und in der Nachhaltigkeit des Materials Holz. Das Gebäude erfüllt damit den Standard KfW-Effizienzhaus 40 und weist einen sehr niedrigen Energiebedarf auf.  
Grün ist das Gebäude quasi von „Kopf bis Fuß“: Die Brinvestor GmbH hat die Dächer begrünt, um etwas für das Klima und gegen die Flächenversiegelung zu tun. In der Planung ebenfalls berücksichtigt wurde die Hanglage und die Höhe der umliegenden Gebäude, um einen harmonischen Gesamteindruck zu erhalten.

Dezentrale Verteilung – städtisches Konzept konsequent weiter verfolgt

Das Gebäude in Kallenberg ist ein weiterer Baustein der städtischen Strategie zur Unterbringung der geflüchteten Menschen, die seit 2015 vermehrt nach Europa kommen. „Um die Menschen möglichst optimal zu integrieren, wollen wir die Familien und Einzelpersonen an verschiedenen Orten in allen drei Stadtteilen – und dort wiederum in möglichst verträglicher Nachbarschaft zum Wohnbestand – unterbringen“, so Bürgermeister Dr. Joachim Wolf bei der Einweihung. Das Gebäude ist in etwa 24 Wohneinheiten, bestehend aus Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, unterteilt. „In 2021 werden zunächst 30 bis 50 Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. Das sind Personen, die sich bereits gut im Stadtgebiet und in der kommunalen Verwaltungsstruktur auskennen, da sie schon länger in Korntal-Münchingen wohnen, von unseren Mitarbeitern gut betreut werden und teilweise auch schon Kontakt zum Freundeskreis Asyl haben“, so der Bürgermeister. Eine gute Mischung aus Familien und alleinstehenden Personen sei zudem wichtig.

Bürgerinen und Bürger sollen sich selbst ein Bild machen können

„Wichtig für uns war von Anfang an, die Bürgerinnen und Bürger über alle Schritte des Vorhabens zu informieren. Leider konnte coronabedingt keine Info-Veranstaltung im Vorfeld stattfinden und auch kein Tag der offenen Tür“, berichtet zudem Matthias Rees, Sachgebietsleiter Jugend und Integration. „Aber wir haben einige Ideen, wie wir die Bürgerinnen und Bürger in das Haus einladen möchten, wenn es das Infektionsgeschehen im Landkreis wieder zulässt.“
Das ist vor allem auch dem Integrationsmanager Christoph Zaiser ein Anliegen, denn er ist für die Menschen vor Ort der Ansprechpartner und wird sein Büro direkt im Gebäude haben. Als langjähriger Mitarbeiter des Integrationsmanagements kennt er schon viele Bewohnerinnen und Bewohner aus den Korntal-Münchinger Unterbringungen und kann sofort loslegen, wenn die Menschen einziehen.
„Auch ein Netzwerk zur örtlichen Kirchengemeinde und zur Jugendarbeit ist bereits aufgebaut“, weiß Matthias Rees.
 
Insektenhotels sollen Brücke zu Kallenberger Kindern schlagen
„Von der Idee, Insektenhotels zu bauen, waren die Schülerinnen und Schüler gleich begeistert“, erinnert sich Claudia Greif, Lehrerin der Freien Evangelischen Schule. Die Brinvestor GmbH kam im vergangenen Winter mit diesem Vorschlag auf die Schule zu und förderte das Projekt finanziell.
„Äste, Tannenzapfen und sogar Brennnesseln haben wir auf dem Kallenberger Hügel mit unseren Schülerinnen und Schülern gesammelt. Dann ging es ans Befüllen der 16 Fächer, damit die Schmetterlinge, Bienen und Insekten sich möglichst wohlfühlen“, so die Lehrerin. Dass das Projekt aber vor allem eine Brücke zu den Kindern schlagen soll, die dort einziehen, ist Claudia Greif besonders wichtig: „Ich wünsche mir, dass dadurch Kontakte entstehen mit Kindern, die dort ihre neue Heimat finden wollen und sollen. Dann möchte ich mit unseren Schülerinnen und Schülern aus Kallenberg dort öfters vorbeigehen, um auch einen kleinen Beitrag zur gelingenden Integration zu leisten“. (ah)