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Korntal-Münchingen sagt: „Merci Pierre"

Verleihung der Ehrenmedaille an Pierre Beaudran, den Bürgermeister a.D. der Partnerstadt Mirande

Die Verleihung der Ehrenmedaille fand am Samstag, den 9. Oktober 2021, im Widdumhof statt. Nach Überprüfung der 3-G-Regel konnten die Delegationen der Partnerstädte und die geladenen Gästen mit Vertretern des Gemeinderates, der Schulen und der Vereine gemeinsam den Festakt feiern.
 

Bürgermeister Dr. Joachim Wolf, Liliane Beaudran und Pierre Beaudran, der Bürgermeiste a.D. der Partnerstadt Mirande

„Demokratie ist nicht einfach da, sondern wir müssen immer wieder für sie miteinander arbeiten, jeden Tag.“ Mit einem Zitat von Angela Merkel begann Bürgermeister Dr. Joachim Wolf seine Laudatio. Das Zitat ließe sich auch auf Europa übertragen: „Denn ein vereintes Europa ist auch nicht einfach da, sondern wir müssen ebenso immer dafür miteinander arbeiten“, führte er fort. Der Geehrte, um den sich dieser Festakt dreht, ist „… einer, der sein Leben lang für die Einheit Europas „gearbeitet“ hat, der die Begegnungen von Korntal und Mirande von Anfang miterlebt, mitgestaltet und die Städtepartnerschaft begleitet hat…“. Dafür sollte Pierre Beaudran, der Bürgermeister a.D. der französischen Partnerstadt, an diesem Abend die Ehrenmedaille der Stadt Korntal-Münchingen von Bürgermeister Dr. Joachim Wolf verliehen bekommen.

„Was ist ihr deutsches Lieblingsgericht, Herr Beaudran?"

Die Schülerinnen des Gymnasiums Korntal-Münchingen bitten Herrn Beaudran zum Interview

Doch bevor der Geehrte seine Medaille in den Händen halten konnte, hatte er noch eine « Hausaufgabe « zu erledigen: Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Korntal-Münchingen baten ihn um ein Interview auf der Bühne. Dafür hatten sie sich im Unterricht mit ihren Lehrerinnen Frau Herzog, Frau Schroth und Frau Mütze fächerübergreifend vorbereitet : „Wie kam es dazu, dass Korntal die deutsche Partnerstadt Mirandes wurde?“ wollten Anna Zimmer und Julia Gülzow von ihrem Interviewpartner wissen. Jede Antwort von Pierre Beaudran wurde sofort von den beiden Französichschülerinnen Aimée Krohn und Céline Boudinet für das Publikum übersetzt.

„Ich war kaum 20 Jahre alt, als mein Vater André Beaudran, ein überzeugter Europäer der ersten Stunde, im Jahr 1962 mich bat, ihn und die Mirande-Delegation zum ersten Kontakt mit den gewählten Vertretern von Korntal zu begleiten. Es ist für mich immer noch eine sehr gegenwärtige und eindrucksvolle Erinnerung.“ Die Jugend wollte so einiges von dem Geehrten wissen - zum Beispiel wie man einen Euroskeptiker überzeugen kann „Euroskeptiker sind schwer zu überzeugen. Man kann ihnen 70 Jahre Frieden vor Augen halten oder ihre Aufmerksamkeit nach Großbritannien richten, damit sie sehen, wie es dort momentan ausschaut “, lautete seine prompte Antwort.
 
Die Bandbreite der Fragen der Gymnasiasten reichte von „Wie sehen Sie die Zukunft Europas? “ bis zu „Was ist ihr deutsches Lieblingsgericht?“ Der Interviewte (der im übrigen Schweinshaxe und Schwarzwälder Kirschtorte am liebsten isst) freute sich über das Interesse der jungen Menschen.

Im Zuschauerraum lauter junge Gesichter

Bewusst hatte das Partnerschaftskomitee gerade die Generation der 13- bis 20-jährigen zu dem Festakt eingeladen, damit sie den „europäischen Geist“ miterleben können.

„Doch, lieber Pierre, wie erklären wir ihnen, was eine Städtepartnerschaft ausmacht?“ fragte Dr. Joachim Wolf in seiner Ansprache. Bei den gemeinsamen Veranstaltungen und Treffen stellt sich immer wieder heraus, dass die Themen, die die Familien und Freunde in Mirande, Tubize und Korntal-Münchingen beschäftigen, gar nicht so unterschiedlich sind: „Der Klimawandel, der bedrohliche Nationalismus, die Wohnungsnot, die wirtschaftlichen Bedingungen, die Digitalisierung sind grenzübergreifende Herausforderungen unserer Zeit“, sagt Dr. Wolf. Zu diesem intensiven Austausch kommt noch die persönliche Komponente, die eine Städtepartnerschaft ausmacht wie enge Freundschaften und herzliche Begegnungen.

Bürgermeister Dr. Wolf erinnerte sich gerne zurück, als er sein Amt als Bürgermeister antrat. Damals hatte er selbst nur eine vage Vorstellung von dem, was ihn – als Lateinschüler mit wenigen französischen Vokabeln im Wortschatz - bei einer Städtepartnerschaft mit zwei französischsprachigen Gemeinden erwartete. „Sie können sich kaum vorstellen, meine Damen und Herren, wie überrascht und erleichtert ich dann war, mit welcher Offenheit und Warmherzigkeit ich ohne jedes Zögern im Kreise meiner beiden Bürgermeisterkollegen aufgenommen wurde.“

Die Städtepartnerschaft muss sich den Anforderungen der modernen Welt stellen.

Ein Online-Videoprojekt der Städtepartner zeigt zukünftige Chancen der Zusammenarbeit auf.

Nach der Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Korntal-Münchingen, die Pierre Beaudran „in Würdigung seines langjährigen ehrenamtlichen Engagements mit herausragenden Verdiensten für das Gemeinwohl der Stadt Korntal-Münchingen und die Städtepartnerschaft“ erhielt, ergriff der tief bewegte Geehrte das Wort: „Diese bemerkenswerte und freundliche Aufmerksamkeit erwärmt mir das Herz, denn sie ist eine echte Anerkennung, noch dazu von gewählten Vertretern außerhalb meiner Stadt.“

Doch außer den Dankesworten hatte er auch eine Botschaft an alle Freunde Europas: „Unsere Partnerschaftskomitees müssen – auch wenn sie weiterhin die Grundlage für ein Europa der Völker darstellen - sich selbst in Frage stellen und sich einer Entwicklung hingeben, die an unsere moderne Welt angepasst ist.“

Gemeinsames Singen der Euurpahymne schließt den Festakt ab.
(Erstellt am 14. Oktober 2021)