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Schule als Staat stellt Gymnasium eine Woche lang "auf den Kopf"


Willkommen in Kornopolis!  Wie wäre es mit leckeren japanischen Gyoza-Teigtaschen und danach einem Muffin? Armkettchen selbst machen und einen Sportkurs belegen, ein bisschen Shopping und danach zum Kosmetikstudio? Das alles geht mit einem Visum und dem entsprechenden Geld, den „Korntalern“ im Staat Kornopolis.  

Eine Woche lang verwandeln die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums ihre Schule in einen Staat. Anstatt Unterricht hieß es für etwa 900 Jungen und Mädchen „echtes Leben“ erproben. Dafür schlüpften sie in die Rollen von Präsident, Richtern, Parteivorsitzenden, Bankmitarbeitern und vielen Bürgerinnen und Bürgern mit eigenen Restaurants, Bistros, Shops und allerlei kreativen Geschäftsideen. „In Kornopolis gibt es fast alles“, erklärt Schulleiter Christoph Brechtelsbauer bei der feierlichen Staatsgründung am Dienstag und übergab das Wort und für drei Tage auch die „Macht“ an den gewählten Präsidenten Jonas (aus der neunten Klasse). Aus dem „Nachbarstaat Korntal-Münchingen“ hatte der Präsident extra Alexander Noak zur Staatsgründung geladen. So wie es das Protokoll eines Staatsaktes eben vorsieht, sangen die Bürgerinnen und Bürger die selbst komponierte Hymne und die eigens für den Staat kreativ erschaffene Flagge wurde gehisst.

Vor einem Jahr begannen die Vertrauenslehrerinnen vom Gymnasium mit dem Mammut-Projekt und in den letzten Wochen wurde quasi die ganze Schule auf Kornopolis „umgestellt“. Eine eigene Währung und ein Finanzsystem wurden eingeführt, Parteien gegründet, Präsident und Parlament gewählt. „Wir hatten letzte Woche schon eine Parlamentssitzung und mussten den Mindestlohn anpassen, damit noch einige Arbeitslose vermittelt werden konnten“, erzählte Jan Reiser, Lehrer und Vizepräsident von Kornopolis. Für ein paar Tage steht die Welt im Gymnasium Kopf. Schülerinnen und Schüler engagieren ihre Lehrer als Angestellte in Bistros. Klassenzimmer verwandeln sich in Cafés, Boutiquen und Kreativräume, eine Tanzschule und sogar einen Club.

Auch ein Museum gibt es in Kornopolis. „Spielzeug oder Abbildung unserer Realität?“, heißt die Ausstellung mit Lego- und Playmobilfiguren passend. Die Frage lässt sich auch auf Kornopolis übertragen. Mehr Spiel oder Abbildung der Realität? Ein Blick auf die 160 Posten umfassenden Liste der Einrichtungen und Läden spricht für sich. Wo viel Geld im Umlauf ist, gibt es natürlich auch Banken und Steuerberater für die allseits beliebte Steuererklärung. Ganz schön realistisch also dieses Kornopolis. Wer es am Mittwoch, 10.7. und Donnerstag, 11.7. verpasst hat, sich ein Visum zu besorgen und das Land der Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer zu besuchen, kann sich den Kornopolis-Podcast auf Spotify anhören.

Im Interview erzählt dort unter anderem Bürgermeister Alexander Noak bei seinem „Staatsbesuch“, warum er es spitze findet, wenn die jungen Menschen schon ganz früh mit den Möglichkeiten und Aufgaben in einem Staat vertraut gemacht werden.