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Kunst und Demenz: Kunst bringt Licht in die Dunkelheit


„Das ist der Fall bei allen sechs Projekten, die in diesem Jahr eine Zuwendung von der Bürgerstiftung erhalten“, berichtet Fachbereichsleiterin Dr. Catharina Vögele. Das Amtsblatt stellt in unregelmäßigen Abständen die Projekte vor, die von der Bürgerstiftung unterstützt wurden.

ür das Malprojekt wurde eine extra ausgebildete Fachkraft engagiert: Dorothea Wiggenhauser, Kunstgeragogin, motiviert einmal im Monat die Teilnehmer für die Kunst.

Für das Malprojekt wurde eine extra ausgebildete Fachkraft engagiert: Dorothea Wiggenhauser, Kunstgeragogin, motiviert einmal im Monat die Teilnehmer für die Kunst.

Zwischen den dicken Malstiften stecken zwei Herbstblätter. Sie wirken wie eine Fahne - ein Lebenszeichen von jemandem, der innerlich vielleicht gerade in einem anderen Jahrhundert feststeckt. „Ist das nicht prima“, freut sich Dorothea Wiggenhauser. Die Kunstgeragogin, die die Ausbildung in der Wissenschaft des Alterns mitbringt, leitet das Projekt „Kunst und Demenz“. Einmal im Monat bietet sie im Spitalhof den Malkurs für demenzkranke Bewohner an. „Heute haben wir das Thema “Herbst„, erklärt sie. Ohne Thema würden nur Stifte und Blätter auf dem Tisch liegen. Deshalb gibt die Kursleiterin den älteren Menschen jedes Mal eine Anregung mit. Einige Senioren fangen an, gefärbte Blätter auf das Zeichenpapier zu kleben. Andere fahren die Umrisse mit den Stiften ab. Und eine Dame im Rollstuhl, die die Hand von Frau Wiggenhauser gar nicht mehr loslässt, steckt die Blätter zwischen die Stifte.

Alleine das Miteinander ist ein Erfolg des besonderen Projektes für an Demenz-Erkrankte im Spitalhof.

Alleine das Miteinander ist ein Erfolg des besonderen Projektes für an Demenz-Erkrankte im Spitalhof.

„Es geht nicht um das Kunstwerk. Allein dass die Seniorin an dem Miteinander teilnimmt, ist schon ein schöner Erfolg“, sagt Dorothea Wiggenhauser. Ein Erfolg, der auch der Begleitung durch die erfahrene Fachkraft zu verdanken ist. „Wenn unsere Mitarbeiterinnen im Hintergrund stehen, hören die Kursteilnehmer einfach auf“, berichtet Patricia O’Rourke.

Der Stiftungsrat der Bürgerstiftung war von dem Projekt „Kunst und Demenz“ im Spital begeistert.

Ca. 150,-- Euro kostet jeder Malkurs inklusive Material und Lehrerin. Von den 22 an Demenz erkrankten Bewohnern im Spitalhof können zehn Personen regelmäßig teilnehmen. „So ein Angebot ist im Pflegesatz nicht enthalten“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins des Spitalhofs, Dr. Otto Koblinger. Deshalb hat sich der Förderverein an die Bürgerstiftung Korntal-Münchingen gewandt, mit Bitte um finanzielle Unterstützung. „Dieses Projekt ist sofort auf Zustimmung gestoßen“, sagt Dr. Catharina Vögele, die Leiterin des Fachbereichs Familie, Kultur und Soziales. Die Bürgerstiftung unterstützt Projekte in der Stadt aus den unterschiedlichsten Bereichen. „Dass diesmal die Älteren von einer Zustiftung profitieren, gefiel dem Stiftungsrat sofort.“ 1.000 Euro floss in die Kasse des Fördervereins des Spitalhofs.

Hinzu kamen die Spenden einer Privatperson, die aus persönlicher Erfahrung ihren Teil beitragen wollte, dass Demenzkranke gefördert werden. „Meine demenzkranke Mutter hatte solche Angebote nicht“, erinnert sie sich.

Im Malkurs kommen Erinnerungen wie von selbst
Gerne würde der Förderkreis des Spitalhofes das Angebot um ein Jahr verlängern und auch die anderen der 22 demenzkranken Bewohner zum Malen einladen. Doch momentan fehlen da noch die Mittel. Otto Koblinger hofft auf Unterstützung der Korntal-Münchinger: „Unser Ziel ist es, Ehrenamtliche für das Leben der älteren Menschen zu gewinnen.“ Am Maltisch hat eine der Teilnehmerin plötzlich eine Erinnerung: „Ich hatte mal einen Bruder, der war Maler.“

Die Bilder können die Angehörigen mit nach Hause nehmen, als Gruß von dem geliebten Menschen.

Die Bilder können die Angehörigen mit nach Hause nehmen, als Gruß von dem geliebten Menschen.

Den Angehörigen nach dem Besuch bei dem geliebten Menschen etwas mitgeben
Wie schwierig die Erkrankung der Mutter, des Vaters, des Ehepartners für die Angehörigen ist, beschreibt Patricia O’Rourke: „Der Verlust der geliebten Person schmerzt beim Besuch, wenn gar keine Kommunikation stattfinden kann, besonders.“ Das Herbstbild ist für die Besucher etwas Wertvolles, hält die Leiterin des Spitalhofs fest. „Wir haben lange überlegt: Was können wir den Angehörigen an die Hand geben?“ Ob das Bild besonders kreativ ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. „Es gibt eine Gesprächsgrundlage und etwas für das Herz zum mit nach Hause nehmen.“

Dr. Otto Koblinger, der Vorsitzende des Fördervereins des Spitalhofes, (ganz links), freut  sich mit Mitgliedern des Fördervereins und  Dr. Catharina Vögele, der Fachbereichsleiterin Familie, Bildung und Soziales, dass der  Malkurs dank der Bürgerstiftu

Dr. Otto Koblinger, der Vorsitzende des Fördervereins des Spitalhofes, (ganz links), freut sich mit Mitgliedern des Fördervereins und Dr. Catharina Vögele, der Fachbereichsleiterin Familie, Bildung und Soziales, dass der Malkurs dank der Bürgerstiftung stattfinden kann.

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Redakteur / Urheber
Eva Tilgner