Stolperstein | Kurt Jacobi

1882 Salzwedel – 6. Mai1944 Korntal
Kurt Jacobi
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Ludwigsburger Straße 33
70825 Korntal-Münchingen
Stadtteil: Korntal

Kurt Jacobi wurde 1882 in Salzwedel als eines von sechs Kindern von Bruno und Rosalie Jacobi geboren. Sein der jüdischen Religion angehörender Vater gründete 1891 in Stuttgart die Berufsfeuerwehr. Noch heute gibt es eine nach ihm benannte Straße.

Schon 1894 ließ Bruno Jacobi sich und seine Kinder evangelisch taufen. Der Sohn Kurt wurde Ingenieur und war als Militärbeamter auf dem Heuberg beschäftigt, auch während des 1. Weltkriegs. Er heiratete 1911 die aus einer christlichen Stuttgarter Familie stammende Elisabeth Schütt. 1912 und 1918 wurden die beiden Söhne Gerhard und Helmut geboren. In der Weimarer Zeit war Kurt Jacobi bei den Vermögensämtern in Rastatt, Landau und Koblenz tätig. Um dem älteren Sohn ein Universitätsstudium zu ermöglichen, zog die Familie 1931 nach Königsberg, das sie aber wegen der dort herrschenden stark antisemitischen Stimmung schon bald wieder verließ. Vermutlich dort erfuhren die beiden Söhne erstmals, dass sie jüdische Vorfahren hatten.

Dann begann der berufliche und wirtschaftliche Abstieg Kurt Jacobis. Zum 1.1.1936 wurde er als Beamter mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Im Laufe des Jahres 1936 zog die Familie nach Korntal und baute dort trotz der eingeschränkten finanziellen Situation ein kleines Haus in der Ludwigsburger Straße 33. Sie besuchten auch die Gottesdienste der Brüdergemeinde. In den folgenden Jahren war die Familie weitgehend ohne Einkommen, sieht man von der geringen Pension ab. Große Sorgen machten den Eltern das Studium des älteren Sohnes Gerhard und die Schulausbildung des jüngeren Sohnes Helmut. Dieser konnte 1937 das Abitur ablegen und schloss eine Ausbildung zum Handelsgehilfen ab. Anfang 1940 wurde er zum Militär einberufen. Im März 1941 starb er in Cottbus an den Verletzungen durch eine explodierende Granate.

Sein älterer Bruder Gerhard kämpfte während dieser Zeit um seine berufliche Anerkennung als Arzt. Als er am 9. Januar 1943 an einer zu spät und unzureichend behandelten Tuberkulose starb, geriet das Ehepaar Jacobi in weitere Nöte. Sie lebten nicht mehr in einer „privilegierten Mischehe“, also mit Kindern, sondern in einer „gewöhnlichen“. Das bedeutete u.a., dass Kurt Jakobi von nun an sich selbst und sein Haus mit dem Judenstern kennzeichnen musste. Aus den Erinnerungen von Frau Jacobi wissen wir dazu Folgendes: Bürgermeister Dollmann „ordnete im Einvernehmen mit Herrn Ortsgruppenleiter Hildenbrandt an, dass mein Mann in der Gemarkung Korntal den Stern nicht zu tragen brauche. Wir haben hier in der Gemeinde einen gewissen Schutz genossen und es wurde von der Gemeinde aus nichts gegen uns unternommen.“

Ab September 1943 wurde Kurt Jacobi zwangsweise in Stuttgart-Nord beim Straßenbau eingesetzt. Diese harte Arbeit überforderte den 62jährigen körperlich, so dass er Ende April 1944 an der Arbeitsstelle zusammenbrach. An den Folgen dieses Zusammenbruchs starb Kurt Jacobi am 6. Mai 1944 in Korntal und wurde dort auch beigesetzt. Seine Witwe lebte noch bis 1973 in diesem Haus.

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