Zu Leben und Werk
Auguste Supper geb. Schmitz wurde am 22. Januar 1897 in Pforzheim geboren und wuchs in Calw auf, wo ihr Vater die Bahnhofswirtschaft betrieb. Schon früh empfand sie eine Berufung zu schriftstellerischer Tätigkeit, worin sie nach ihrer Eheschließung mit dem Juristen Otto Supper von diesem bestärkt wurde. Das Jahr 1905 sah die Veröffentlichung ihrer ersten „Schwarzwaldgeschichten“. In der Folge erwarb sich Supper den Ruf einer „Dichterin des Schwarzwalds“. 1911 übersiedelte sie mit ihren beiden Kindern von Stuttgart nach Korntal in das neuerbaute Haus Neuhaldenstraße 22. Ihr Ehemann verstarb vor dem Einzug und wurde in Korntal begraben. Die Zahl ihrer von der Literaturkritik durchaus positiv gewürdigten Bücher wuchs nun fast jährlich an. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahm Supper öffentlich politisch Stellung, wobei ihr die rechtskonservativ-deutschnationalen Einstellungen ihres verstorbenen Ehemanns als weltanschauliche Grundlage dienten. In der Revolution von 1918 sah sie einen verbrecherischen Verrat an der Truppe, in Demokratie und Parlamentarismus eine Bedrohung für das „Vaterland“. 1920 verließ sie Korntal und zog zunächst nach Hohengehren, von dort 1923 nach Ludwigsburg. Hier kam sie in Kontakt mit der „Bewegung Adolf Hitler“ und war, wie sie sich später erinnerte, bald sicher, dass diese „Bewegung“ sie etwas angeht. 1924 erhielt sie den Marie-von-Ebner-Eschenbach-Preis verliehen und sah sich endgültig als Schriftstellerin anerkannt. Doch richtig erfolgreich wurde sie erst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Ihre nach 1933 verlegten Bücher erreichten als „Volks- oder Feldausgaben“ sehr hohe Auflagen. In ihnen wird in erzählerischer Form NS-Ideologie transportiert bzw. popularisiert. Von den Machthabern wurde dies entsprechend gewürdigt: 1935 erhielt Supper den Titel einer Ehrensenatorin der Reichsschrifttumskammer verliehen, 1942 überreichte ihr Ministerpräsident Mergenthaler den Schwäbischen Dichterpreis in Würdigung ihres dichterischen Lebenswerkes. 1937 veröffentlichte Supper ihre Autobiographie „Aus halbvergangenen Tagen“. Darin nennt sie den 30. Januar 1933 den bedeutungsvollsten Tag in ihrem Leben. Den Kirchen schreibt sie ins Stammbuch, verlernt zu haben, „Gott am Schritt zu kennen“. 1938 schloss sich Supper den Deutschen Christen an. In dem 1942 erschienen Lyrikband „Dem Führer“ findet sich das aus der Feder Suppers stammende Gedicht „Der Retter“, das mit der Zeile endet: „In seinem Kommen ist uns Gott begegnet“. Auch nach Kriegsende rückte Supper nicht von ihrer NS-Überzeugung ab, wie es ihre im Literaturarchiv Marbach verwahrten Tagebuchaufzeichnungen belegen. So etwa, wenn sie dort an ihrem 82. Geburtstag, dem 22. Januar 1949, die Worte einträgt: „Jedesmal ist es mir ein Schmerz, wenn ich über den Führer etwas höre, was ihm abträglich ist“. Auguste Supper starb am 14. April 1951 und wurde an der Seite ihres Ehemannes in Korntal begraben.
Wertung
Es erscheint unzweifelhaft, dass es sich bei Auguste Supper um eine Autorin handelt, die in ihrem schriftstellerischen Werk und ihrem öffentlichen Wirken nationalsozialistisches Gedankengut vertreten und befördert hat. Der öffentliche Kläger in ihrem Verfahren vor der Spruchkammer Ludwigsburg kommt 1948 zu dem Schluss, dass Frau Supper „durch ihr Schrifttum und ihren nicht zu unterschätzenden Einfluss im kulturellen Leben wesentlich zur Stärkung und Erhaltung der nationalsozialistischen Herrschaft beigetragen hat“. Das Verfahren wurde übrigens nach Vorlage eines ärztlichen Attests eingestellt und Supper als bloße „Mitläuferin“ eingestuft.
In der Nachkriegszeit ordnete man ihr literarisches Schaffen verharmlosend als „Heimatdichtung“ ein, bei der sich lediglich in der Wortwahl einige zeittypische Verfehlungen eingeschlichen haben. Dies war auch die Zeit, in der der Korntaler „Auguste-Supper-Weg“ seinen Namen bekam. Der Gemeinderatsbeschluss hierüber wurde am 9. Juni 1954 gefasst.