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Streife fahren, Bürger empfangen, Trost spenden

Seit Mitte März ist der Bürgerinformationsdienst der Stadt Korntal-Münchingen im Einsatz. In den meisten Fällen stoßen sie auf Verständnis. In manchen auch nicht.

(et) Ausgerechnet den Saalplatz haben sich die beiden Skateboarder ausgesucht, um ihre Sprünge zu üben. Als das Elektroauto des Bürgerinformationsdienstes vorbeirollt, winken die Jungs schuldbewusst den Insassen zu – so als ob sie schon wissen, was sie gleich von den Mitarbeitern des Bürgerinformationsdienstes zu hören bekommen.

„Das ist nicht gut, wenn ihr hier eure Übungen macht. Dann kommen auch bald eure Kumpels. Solche Zusammenkünfte mit mehr als zwei Personen sind nicht erlaubt“, erklärt ihnen David Arndt-Kienzle und fügt hinzu: „Bleibt am besten  immer in Bewegung.“ Der Fachangestellte im Bäderbetrieb der Stadt ist sonst eher gewohnt, den Jugendlichen im Freizeitbad Münchingen die Einhaltung der Bade-Regeln mit der Trillerpfeife klarzumachen. Seit März tragen er und seine sieben Freizeitbad-Kolleginnen und Kollegen die gelben Westen des Bürgerinformationsdienstes und achten auf die Einhaltung der Corona-Anordnungen des Landes Baden-Württemberg im Freien. „Überwiegend reagieren die Menschen verständnisvoll auf unsere Hinweise“, sagt Jutta Kumm vom Raumschutz-Team. Falls nicht, nutzen die Beschäftigten in den gelben Westen den heißen Draht zum Gemeindevollzugsdienst und der Polizei.

Der Bürgerinformationsdienst auf Tour

Die Aufbauorganisation des spontan ins Leben gerufene Corona-Bürgerinformationsdienstes, der ausschließlich von Bediensteten der Stadtverwaltung geleistet wird, beruht auf drei Säulen: Raumschutz, Objektschutz und Ermittlungen. „Wir hatten nach Ausbruch der Pandemie Handlungsbedarf und gleichzeitig - durch die Schließung von städtischen Einrichtungen - Kapazitäten an Personal frei“, erzählt der Fachbereichsleiter Steuerung und Service der Stadt Korntal-Münchingen, Matthias Beck. Was ihn besonders freut: Obwohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig andere Aufgaben übertragen bekommen haben, ist die Motivation groß - auch am Wochenende oder bei einer Nachtschicht, die bis 1 Uhr gehen kann.

Während der „Raumschutz“ alle möglichen Plätze in Korntal-Münchingen absucht, die zum Verweilen einladen können, sitzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereichs „Ermittlungen“ im Homeoffice am Telefon. Da die Umsetzung der Quarantäneanordnung vom Landratsamt Ludwigsburg auf die Kommunen übertragen wurde, gehört auch die Betreuung der in Quarantäne Lebenden zum Aufgabengebiet einer Stadt. „Hierfür haben wir die Kolleginnen ausgewählt, die sonst im Schulsozialdienst arbeiten“, sagt Matthias Beck. Täglich werden die Infizierten und ihre Kontaktpersonen vom Team des „Ermittlungsdienstes“ angerufen. Die Anrufe dienen nicht nur der Kontrolle über die Einhaltung der Quarantäne-Pflicht, sondern auch um eine persönliche Beziehung zu den Betroffenen aufzubauen, Trost zu spenden und Hilfe zu organisieren: „Wie geht es Ihnen heute? Brauchen Sie neue Einkäufe?“ Viele, die in ihren eigenen vier Wänden festsitzen, freuen sich über die Betreuung und haben Redebedarf. Aber es gibt auch Ungeduldige: „Vor allem diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten und auch in Quarantäne leben müssen, ohne selbst erkrankt zu sein, stehen den täglichen Anrufen schon mal ablehnend gegenüber“, berichtet Lisa Gulde. Als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung leistet sie in dieser Zeit nicht nur Integrationsarbeit, sondern koordiniert den Corona-Ermittlungsdienst. Sie hofft auf Verständnis für ihre Kolleginnen, denn schließlich ist es ja „für uns alle eine neue Situation.“
 

Vom Homeoffice aus bietet der Bürgerinformationsdienst Hilfe für die in Quarantänte-Lebenden an.

Eine neue Situation ist es auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams „Objektschutz“, die am Eingang des Rathaus Korntal und Münchingen auf die Besucherinnen und Besucher warten. „Nach der Wiedereröffnung des Bürgerservices wollten wir vermeiden, dass die Menschen unkontrolliert durch das Gebäude laufen und die Abstandsregeln nicht einhalten“, sagt Matthias Beck. Jede und jeder, der das Rathaus betreten will, wird von dem Besucherservice freundlich an die Maskenpflicht erinnert. „Ich habe mich innerlich darauf eingestellt und fühle mich nun gut betreut“, lobt eine Korntal-Münchingerin an der Tür zum Bürgerservice das ungewohnte Empfangskomitee.
 

 

Wer ins Rathaus Korntal kommt, wird empfangen vom Bürgerinformationsdienst.

Draußen auf dem Saalplatz verabschieden sich die beiden Skateboarder vom Team des Raumschutzes. Bevor sie losfahren, sagt Laurin: „Es ist schon okay, dass es so jemanden wie Euch gibt, der auf die Einhaltung der Corona-Regeln achtet. Denn sonst hätte es ja alles nix gebracht.“