Schule früher

Schulstadt Korntal-Münchingen

Aufgrund seiner historischen Tradition ist Korntal-Münchingen eine wichtige Schulstadt, in der es zahlreiche Bildungseinrichtungen verschiedener Träger gibt. Ein Ausstellungsraum im Museum zeigt den Schulalltag zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erläutert die Entwicklungsgeschichte der Schulen in Münchingen und Korntal.

Schulklasse mit Lehrer vor dem neuen Schulhaus in der Schulstraße, Foto um 1908

Die Münchinger Dorfschule

Die Münchinger Dorfschule entstand Mitte des 16. Jahrhunderts nach der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Württemberg durch Herzog Christoph. Nach der Zerstörung des Schulhauses im 30jährigen Krieg besuchten im Jahr 1676 bereits wieder 88 Kinder den Unterricht. Aufgrund wachsender Schülerzahlen wurde 1744 ein neues Schulhaus errichtet, das 1843 durch das heute noch erhaltene alte Schulhaus, in dem sich das Heimatmuseum befindet, ersetzt wurde. Ein zweites Schulhaus entstand 1885 in der Schulstraße. Beide Gebäude wurden bis zum Bau der Flattichschule 1951 als Schule genutzt.


Disziplin und Ordnung

Streng ging es früher zu im Klassenzimmer. Schon alleine das aufrechte Sitzen in den alten Schulbänken war anstrengend. Das Schreiben mit Griffel auf einer Schiefertafel diente zur Übung, um teures Papier zu sparen, denn bis in die 1960er Jahre wurden in den Anfängerklassen keine Schulhefte aus Papier verwendet. Fehler wollte keiner machen, denn schließlich durfte der Lehrer „Tatzen“ mit dem Rohrstock austeilen. Heute ist das Schulzimmer ein Mitmachbereich im Museum, in dem Kinder die alten Schulmöbel benutzen und das Schreiben auf Schiefertafeln ausprobieren dürfen.

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Kinder im Schulraum des Heimatmuseums

Das Töchterinstitut in Korntal, um 1860

International bekannt: Die Korntaler Schulen

Im Bezug auf die Schulgeschichte nimmt die erst 1819 von der evangelischen Brüdergemeinde gegründete Siedlung Korntal eine Sonderstellung ein. Neben einer Volksschule gab es Heimschulen, Waisenhäuser sowie eine Lateinschule und eine höhere Schule für Mädchen: das Töchterinstitut. Alle Schulen hatten eine christliche Ausrichtung und waren mit Internaten verbunden, die von Kindern aus der ganzen Welt besucht wurden. Die Schüler stammten aus der Schweiz, Großbritannien und den USA ebenso wie Missionarskinder aus Indien, China und Afrika. Auch die aus einer Missionarsfamilie stammende Schwester von Hermann Hesse, Marie Hesse (genannt Marulla 1880–1953), besuchte die Korntaler Mädchenschule. Bekannte Politiker wie Paul Traugott Bausch (1895–1981), EU-Kommissar Günther Oettinger (geb. 1953) und der Unternehmer Berthold Leibinger (geb. 1930) erhielten ihre Schulausbildung in Korntal.