KRIEG SPIELEN - Militärisches aus der Spielzeugkiste

Einleitung

Krieg Spielen Plakat

Ebenso wie die übrige Bevölkerung zieht der Krieg auch die Kinder in ihren Bann. Noch bevor sie in der Schule des Kaiserreichs einen Vorgeschmack auf das Kriegsgeschehen vermittelt bekamen, eifern sie im Spiel ihren Vorbildern nach. Das waren zunächst die Prinzen der regierenden Häuser, die schon als Kinder in richtigen Offiziersuniformen ihren Leibregimentern als Chefs vorstanden. Das war ganz allgemein das Militär, das in der Gesellschaft bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine herausgehobene Stellung innehatte. Das waren die mit klingendem Spiel begleiteten Kaiserparaden, die ein farbenprächtiges Bild abgaben. Die Kinder wetteiferten damit, die Waffengattungen, die Rangabzeichen und die Regimenter benennen zu können. In der Liebe zum Vaterland und der Tapferkeitsbezeugung wollte keines hinten anstehen.

Vor dem Hintergrund der Ausstellung über den Ersten Weltkrieg in Korntal und Münchingen "Sonst geht es mir noch gut" zeigt das Heimatmuseum die Ausstellung

KRIEG SPIELEN - militärisches aus der Spielzeugkiste

Ebenso wie die übrige Bevölkerung zieht der Krieg auch die Kinder in ihren Bann. Noch bevor sie in der Schule des Kaiserreichs einen Vorgeschmack auf das Kriegsgeschehen vermittelt bekamen, eiferten sie im Spiel ihren Vorbildern nach. Das waren zunächst die Prinzen der regierenden Häuser, die schon als Kinder in richtigen Offiziersuniformen ihren Leibregimentern als Chefs vorstanden. Das war ganz allgemein das Militär, das in der Gesellschaft bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine herausgehobene Stellung innehatte. Das waren die mit klingendem Spiel begleiteten Kaiserparaden, die ein farbenprächtiges Bild abgaben. Die Kinder wetteiferten damit, die Waffengattungen, die Rangabzeichen und die Regimenter benennen zu können. In der Liebe zum Vaterland und der Tapferkeitsbezeugung wollte keines hintanstehen.

So spielten die Kinder auf der Straße und zu Hause Soldaten. Besonders interessant war das Soldatenspiel, weil es verbunden war mit Uniformen, Waffen und anderen Ausrüstungen. Das Kind konnte in die Rolle des Offiziers, in die eines Husaren, eines Untergebenen, eines Marinesoldaten, sogar in die des Kaisers oder des "Führers" schlüpfen und sich mit entsprechendem Beiwerk schmücken.

Und es konnte Schlachten schlagen. Mit den Heerscharen der Soldatenfiguren wurden vergangene Schlachten nachgespielt und in aktuelles Kampfgeschehen eingegriffen, wurden militärische Strategien überlegt und neueste Waffentechnologien ausprobiert. Dazu gab es ganze Scharen von Soldaten der verschiedenen Heere, perfekt den großen Vorbildern nachgebildet. Da gab es die verschiedenen Militärfahrzeuge und den Schützengraben mit schussbereiten Soldaten. Da gab es rennende Soldaten und marschierende Soldaten. Da gab es verwundete Soldaten, die dann im Puppenlazarett behandelt wurden, damit sie beim nächsten Kampf wieder bestehen konnten.

Laut dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung finden heute auf unserer Erde insgesamt über 200 Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen statt und überall auf der Welt spielen Kinder mit militärischem Spielzeug. Spielen bedeutet auch heute noch zu einem großen Teil Nachahmen der Umwelt. So wird Spielen mit kriegerischem Spielzeug, welches sich Kinder in jeder Form auch selber machen können, erst dann aufhören, wenn es keine entsprechenden Vorbilder mehr gibt.

Kriegsspielzeug als Reflex der blutigen Realität

Anfang des 18. Jahrhunderts brachten Zinngießer zum aktuellen Kriegsgeschehen Figuren heraus. Eine regelrechte Zinnsoldatenproduktion begann. Berühmt sind die Figuren, die Friedrich den Großen und seine Truppenteile darstellen. Anfang des 20. Jahrhunderts ging die Produktion von Zinnfiguren, wie auch die von Trommeln, Trompeten und Steckenpferden zurück.

Der Krieg gegen die Franzosen 1870/71 gab den Kindern ganz besonders schöne, weil bunte Spielzeugsoldaten an die Hand. Die feindlichen Franzosen mit ihren roten Mützen und ihren roten Hosen konnten schnell ausgemacht und besiegt werden.

Nach der von Wilhelm II. forcierten Flottenaufrüstung und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden besonders Schiffsmodelle und Marinespiele zum Nachspielen der großen Seeschlachten angefertigt. Zu dieser Begeisterung für die kaiserliche Marine passen die Matrosenanzüge, die zunächst adlige, dann auch bürgerliche Jungen tragen. Und die Kinder spielen Krieg im Schützengraben, spielen mit Feldpost, Verbandsplätzen und Feldküchen mit Gulaschkanonen.

Zwischen den beiden Weltkriegen widmete sich die Schwerindustrie der Wiederaufrüstung. Im Kinderzimmer traten an die Stelle von Bleisoldaten die Lineol- und Elastolinfiguren in aktualisierten Uniformen und mit neuem Waffenarsenal.

Auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 reagiert die Spielwarenindustrie schnell und sie steigert ihre Produktion von Kriegsspielzeug erheblich, 1935 bereits um 25 Prozent. In einem Werbetext der Deutschen Spielwaren-Zeitung vom November 1935 heißt es: "Das neue Deutschland im Abbild des Spielzeugs: Kampfflieger, Doppeldecker mit an- und abstellbarem M.G.-Geknatter, Bombenflieger mit Hoheitszeichen, Flak-Kanonen mit Gummigranaten und Zündplättchen, Scheinwerferautos mit beleuchteten Scheinwerfern, Wagen des Führers in naturgetreuer Ausführung, neuer Mercedeswagen in Stromlinienform, Reichsautobahn - ein neues Aufbauspiel."

Die neuen Spielzeugsoldaten tragen jetzt die Uniform der Wehrmacht oder der SS, Hitler selbst ist als kleine Linolfigur mit hocherhobenem rechtem Arm erhältlich. Firmen, die bisher auf Eisenbahnen und technisches Spielzeug spezialisiert waren, wie beispielsweise die Firma Märklin, produzieren nun Spielzeugpanzer und Modellflugzeuge, und die großen Puppenhersteller wie Steiff und Käthe-Kruse kleiden jetzt ihre Puppen im aktuellen Soldatenlook.

Kaum waren die Sieger in Deutschland eingezogen, hatten nationalsozialistische Symbole auch auf Kinderspielzeugen ausgedient; sie wurden übermalt und abgekratzt. Jetzt wird der Jeep, das Symbolfahrzeug der amerikanischen Sieger, nachgebaut und die Spielzeugpanzer und Lastwagen mit amerikanischen Sternen bemalt. Und die amerikanische Besatzungsmacht bringt die Seifenkisten-Tradition wieder in Fahrt.

Heute werden die Kriege im Kinderzimmer mittels Computerspielen geführt.